Wissensdatenbank 27.01.2024 Aktualisiert: 12.03.2026 135 Aufrufe Alexander Müller

Chartanalyse: Grundlagen, gängige Muster und ihre Bedeutung

Chartanalyse in Tradingview EinleitungDie Chartanalyse, auch bekannt als technische Analyse, ist eine Methode zur Vorhersage der zukünftigen Preisbewegungen von Wertpapieren durch die Untersuchung von historischen Marktdaten, hauptsächlich Preis- und Volumendaten. In diesem Artikel werden die...

Die Chartanalyse, auch technische Analyse genannt, ist eine der beiden großen Schulen der Wertpapieranalyse. Während die Fundamentalanalyse den inneren Wert eines Unternehmens berechnet, konzentriert sich die Chartanalyse ausschließlich auf Kurs- und Volumendaten. Für Dividendenanleger kann sie als Ergänzung zur Fundamentalanalyse wertvolle Timing-Signale liefern.

Definition: Chartanalyse

Die Chartanalyse (technische Analyse) untersucht historische Kurs- und Umsatzdaten, um Muster zu identifizieren und zukünftige Kursbewegungen vorherzusagen. Sie basiert auf der Annahme, dass sich Kursverläufe wiederholen und alle relevanten Informationen bereits im Kurs enthalten sind.

Die drei Grundannahmen der Chartanalyse

Die technische Analyse basiert auf drei fundamentalen Prämissen:

1. Der Markt diskontiert alles

Alle fundamentalen, politischen und psychologischen Faktoren sind bereits im Kurs enthalten.

2. Kurse bewegen sich in Trends

Einmal etablierte Trends setzen sich eher fort als umzukehren (Momentum).

3. Geschichte wiederholt sich

Chartmuster wiederholen sich, weil menschliches Verhalten konstant bleibt.

Charttypen im Überblick

Es gibt verschiedene Arten, Kursdaten grafisch darzustellen:

Charttyp Beschreibung Vorteile Nachteile
Linienchart Verbindet Schlusskurse Einfach, übersichtlich Wenig Detailinformation
Balkenchart (OHLC) Zeigt Open, High, Low, Close Mehr Information Gewöhnungsbedürftig
Kerzenchart (Candlestick) Japanische Kerzen mit Körper Am beliebtesten Viele Muster zu lernen
Point & Figure X und O ohne Zeitachse Filtert Rauschen Für Anfänger komplex

Wichtige Chartmuster: Umkehr und Fortsetzung

Chartmuster lassen sich in Umkehr- und Fortsetzungsmuster einteilen:

Umkehrmuster

Signalisieren eine Trendwende

  • Kopf-Schulter-Formation: Klassisches Umkehrsignal
  • Doppeltop / Doppelboden: M- oder W-Formation
  • Dreifachtop / Dreifachboden: Verstärktes Signal
  • Rounding Top/Bottom: Langsame Umkehr

Fortsetzungsmuster

Signalisieren Trendfortsetzung

  • Dreieck (symmetrisch): Ausbruch in Trendrichtung
  • Flagge: Kurzfristige Konsolidierung
  • Wimpel: Ähnlich wie Flagge, dreieckig
  • Rechteck: Seitwärtsphase im Trend

Wichtige technische Indikatoren

Technische Indikatoren ergänzen die visuelle Chartanalyse mit mathematischen Berechnungen:

Indikator Kategorie Berechnung Signal
GD 200 (SMA 200) Trend Durchschnitt der letzten 200 Tage Über GD = Bullenmarkt
GD 50 (SMA 50) Trend Durchschnitt der letzten 50 Tage Golden Cross = Kaufsignal
RSI Oszillator Relative Strength Index (0-100) >70 überkauft, <30 überverkauft
MACD Momentum Differenz zweier EMAs Schneidet Signallinie = Signal
Bollinger Bänder Volatilität GD ± 2 Standardabweichungen Am Band = Überdehnung
Volumen Bestätigung Gehandelte Stückzahl Hohes Volumen = Bestätigung

Unterstützung und Widerstand

Die Konzepte von Unterstützung und Widerstand sind fundamental für die Chartanalyse:

Unterstützung (Support)

Kursniveau, bei dem erhöhte Kaufbereitschaft erwartet wird

  • • Frühere Tiefs
  • • Gleitende Durchschnitte
  • • Trendlinien
  • • Psychologische Marken (z.B. 100€)
  • • Fibonacci-Retracements

→ Potenzielle Kaufzone

Widerstand (Resistance)

Kursniveau, bei dem erhöhte Verkaufsbereitschaft erwartet wird

  • • Frühere Hochs
  • • Gleitende Durchschnitte (von unten)
  • • Abwärtstrendlinien
  • • Psychologische Marken
  • • All-Time-Highs

→ Potenzielle Verkaufszone

Kritik an der Chartanalyse

Die Chartanalyse ist nicht unumstritten. Hier die wichtigsten Kritikpunkte:

Kritikpunkt Argument Gegenargument
Selbsterfüllende Prophezeiung Muster funktionieren nur, weil viele danach handeln Das ist okay – Hauptsache es funktioniert
Random Walk Theorie Kurse folgen keinem Muster, sind zufällig Akademisch umstritten; Momentum existiert
Hindsight Bias Muster erkennt man leichter rückblickend Stimmt – Übung und Regeln helfen
Keine Fundamentaldaten Ignoriert den inneren Wert Kombination beider Ansätze möglich

Chartanalyse für Dividendenanleger: Sinnvolle Anwendung

Für fundamental orientierte Dividendenanleger kann die Chartanalyse bei folgenden Fragen helfen:

Sinnvolle Anwendungsgebiete

Hilfreich für:
  • • Timing des Einstiegs (Unterstützungen)
  • • Erkennen von überverkauften Situationen
  • • Stop-Loss-Platzierung
  • • Trendbestätigung
  • • Volumenanalyse bei großen Bewegungen
Weniger sinnvoll für:
  • • Langfristige Anlageentscheidung
  • • Bewertung des Geschäftsmodells
  • • Einschätzung der Dividendensicherheit
  • • Fundamentale Qualitätsanalyse
  • • Dauerhafte Portfolio-Allokation

Checkliste: Chartanalyse für Einsteiger

Chartanalyse-Checkliste

☐ Mit Kerzencharts vertraut machen

☐ GD 50 und GD 200 verstehen

☐ Unterstützung/Widerstand identifizieren

☐ RSI als Ergänzung nutzen

☐ Volumen zur Bestätigung heranziehen

☐ Nicht auf einzelne Indikatoren verlassen

☐ Fundamentalanalyse nicht vernachlässigen

☐ Übung an historischen Charts

Kernaussagen zur Chartanalyse

  • Die Chartanalyse basiert auf der Annahme, dass sich Muster wiederholen
  • Kerzencharts sind der beliebteste Charttyp bei professionellen Tradern
  • Gleitende Durchschnitte (GD 50/200) sind einfache, aber effektive Trendfilter
  • Für Dividendenanleger ist die Chartanalyse primär als Timing-Hilfe nützlich
  • Die Kombination mit Fundamentalanalyse ist der sinnvollste Ansatz
Autor
Alexander Müller

Dividendeninvestor und Gründer von Dividendenkalender. Entwickler des DiviScore-Bewertungssystems für Dividendenaktien.

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