Wissensdatenbank 31.01.2024 Aktualisiert: 12.03.2026 257 Aufrufe Alexander Müller

Emission: Prozess der Aktienausgabe, IPOs

Die Emission von Aktien, insbesondere in Form eines Börsengangs (Initial Public Offering, IPO), ist ein kritischer Schritt für Unternehmen, die Kapital aufbringen und öffentlich handelbar werden möchten.? 1. Grundlagen der Aktienemission 1.1 Definition und Zweck Eine Aktienemission bezieht sich...

Die Emission von Wertpapieren ist einer der wichtigsten Prozesse an den Kapitalmärkten. Wenn Unternehmen Kapital benötigen, können sie durch die Ausgabe von Aktien (IPO) oder Anleihen frisches Geld von Investoren einsammeln. Für Anleger bieten Emissionen die Chance, frühzeitig in interessante Unternehmen zu investieren.

Definition: Was ist eine Emission?

Eine Emission (lat. "emittere" = aussenden) bezeichnet die erstmalige Ausgabe von Wertpapieren wie Aktien, Anleihen oder Investmentfonds-Anteilen an den Kapitalmarkt. Der Emittent (das ausgebende Unternehmen oder der Staat) erhält dadurch Kapital, während die Anleger Eigentums- oder Gläubigerrechte erwerben.

Arten von Emissionen

Es gibt verschiedene Formen der Wertpapieremission:

Emissionsart Beschreibung Typischer Emittent Anlegerrechte
IPO (Aktien) Erstmaliger Börsengang eines Unternehmens Wachstumsunternehmen, Start-ups Eigentumsrechte, Stimmrecht, Dividende
Kapitalerhöhung Ausgabe neuer Aktien bei bereits börsennotiertem Unternehmen Börsennotierte AGs Bezugsrecht für Altaktionäre
Unternehmensanleihe Fremdkapitalaufnahme durch Schuldverschreibung Große Unternehmen Zinszahlungen, Rückzahlung bei Fälligkeit
Staatsanleihe Staatliche Schuldverschreibung Staaten (Bund, Länder) Feste Zinsen, hohe Sicherheit
Wandelanleihe Anleihe mit Umwandlungsrecht in Aktien AGs mit Wachstumspotenzial Zinsen + Option auf Aktien

Der IPO-Prozess: Von der Vorbereitung zum Börsengang

Ein Börsengang (IPO = Initial Public Offering) ist ein komplexer Prozess, der mehrere Monate dauert:

Timeline eines IPO

1

Vorbereitung (6-12 Monate vor IPO)

Auswahl der Emissionsbanken, Due Diligence, Erstellung des Wertpapierprospekts

2

Preisspanne festlegen (4-8 Wochen vor IPO)

Bewertung des Unternehmens, Festlegung einer vorläufigen Preisspanne

3

Roadshow (2-3 Wochen vor IPO)

Präsentation vor institutionellen Investoren, Interesse abfragen

4

Bookbuilding (1-2 Wochen vor IPO)

Sammeln von Zeichnungsaufträgen, Ermittlung der Nachfrage

5

Preisfestlegung (1 Tag vor IPO)

Endgültiger Emissionspreis basierend auf Nachfrage

6

Erster Handelstag (IPO-Tag)

Aktie wird erstmals an der Börse gehandelt, erster Kurs wird festgestellt

Emissionsverfahren im Vergleich

Es gibt verschiedene Methoden, wie Wertpapiere emittiert werden können:

Verfahren Beschreibung Vorteile Nachteile
Bookbuilding Preis wird durch Investorennachfrage ermittelt Marktgerechter Preis, geringeres Risiko Aufwendig, teuer
Festpreisverfahren Emissionspreis wird vorab festgelegt Einfach, schnell Preis evtl. nicht optimal
Auktionsverfahren Investoren geben Gebote ab Höchster erzielbarer Preis Volatil, selten genutzt
Direct Listing Börsengang ohne Neuemission (nur Altaktien) Keine Verwässerung, günstig Kein frisches Kapital
SPAC Fusion mit börsennotierter Mantelgesellschaft Schneller Börsengang Hohe Kosten, umstritten

Größte IPOs aller Zeiten

Diese Börsengänge haben Geschichte geschrieben:

Unternehmen Jahr Volumen Börse
1. Saudi Aramco 2019 29,4 Mrd. $ Tadawul (Saudi-Arabien)
2. Alibaba Group 2014 25,0 Mrd. $ NYSE
3. SoftBank Corp. 2018 23,5 Mrd. $ Tokyo Stock Exchange
Agricultural Bank of China 2010 22,1 Mrd. $ Shanghai/Hong Kong
ICBC 2006 21,9 Mrd. $ Shanghai/Hong Kong

IPO-Performance: Chancen und Risiken

Die Performance von IPOs ist statistisch gesehen durchwachsen:

Chancen bei IPOs

  • Zeichnungsgewinn: Oft steigt der Kurs am ersten Tag
  • Frühe Beteiligung: Chance auf Wachstumsunternehmen
  • Mediale Aufmerksamkeit: Hohes Anlegerinteresse
  • Oft "Underpriced": Emissionspreise bewusst konservativ

Risiken bei IPOs

  • Wenig Historie: Keine Kursdaten zur Analyse
  • Lock-up-Periode: Nach 6 Monaten Verkaufsdruck durch Altaktionäre
  • Überbewertung: Hype kann zu Überbewertung führen
  • Statistik: 60% der IPOs underperformen nach 3 Jahren

Wie können Privatanleger an IPOs teilnehmen?

Methode Beschreibung Zuteilungschance
Zeichnung über Broker Direkt bei der Hausbank oder Online-Broker zeichnen Mittel
Konsortialbank Bei der die Emission begleitenden Bank zeichnen Höher
Kauf am Ersthandelstag Normale Kauforder nach Handelsstart 100% (zum Marktpreis)
IPO-ETF ETF der in kürzlich gelistete Unternehmen investiert 100% (diversifiziert)

Kosten einer Emission

Ein Börsengang ist teuer. Diese Kosten fallen typischerweise an:

Kostenart Anteil am Emissionserlös Beschreibung
Bankenprovision
3-7%
Underwriting, Beratung, Platzierung
Rechtsberatung
0,5-1%
Prospekt, regulatorische Anforderungen
Wirtschaftsprüfung
0,3-0,5%
Due Diligence, Testat
Marketing/Roadshow
0,2-0,5%
Investorenpräsentationen, IR
Börsengebühren
0,1-0,2%
Listing-Gebühren, BaFin

Beispielrechnung: IPO-Kosten

Bei einem IPO mit 500 Mio. € Emissionsvolumen:

  • • Bankenprovision (5%): 25 Mio. €
  • • Rechtsberatung (0,7%): 3,5 Mio. €
  • • Wirtschaftsprüfung (0,4%): 2 Mio. €
  • • Marketing (0,3%): 1,5 Mio. €
  • • Sonstige (0,2%): 1 Mio. €
  • Gesamtkosten: ca. 33 Mio. € (6,6%)

Fazit für Anleger

Emissionen bieten spannende Investitionsmöglichkeiten, erfordern aber besondere Vorsicht. Privatanleger sollten nicht blind auf jeden IPO-Hype aufspringen, sondern Geschäftsmodell, Bewertung und Marktumfeld kritisch prüfen. Die Statistik zeigt: Die meisten IPOs underperformen langfristig den Markt. Wer dennoch investieren möchte, sollte auf eine breite Diversifikation setzen oder spezialisierte IPO-ETFs in Betracht ziehen.

Autor
Alexander Müller

Dividendeninvestor und Gründer von Dividendenkalender. Entwickler des DiviScore-Bewertungssystems für Dividendenaktien.

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