Wissensdatenbank 05.02.2024 Aktualisiert: 12.03.2026 140 Aufrufe Alexander Müller

Orderarten: Übersicht und Anwendungsbeispiele.

Orderarten Einführung in die Orderarten: Definition und Grundlagen Orderarten sind Anweisungen, die von Investoren an ihre Broker gegeben werden, um Wertpapiere zu kaufen oder zu verkaufen. Sie sind ein grundlegender Bestandteil des Handels und können in verschiedenen Formen auftreten, abhängig...

Die Wahl der richtigen Orderart kann ueber Gewinn und Verlust entscheiden. Vom einfachen Marktauftrag bis zur komplexen bedingten Order bieten moderne Handelsplattformen zahlreiche Moeglichkeiten, Auftraege praezise zu steuern. Das Verstaendnis dieser Orderarten ist fundamentales Handwerkszeug fuer jeden Anleger.

Definition: Orderart

Eine Orderart (auch Auftragsart) bestimmt die Bedingungen, unter denen ein Kauf- oder Verkaufsauftrag an der Boerse ausgefuehrt wird. Sie legt fest, zu welchem Preis, unter welchen Konditionen und mit welcher Prioritaet (Zeit vs. Preis) der Auftrag bearbeitet werden soll.

Die vier Basis-Orderarten

Orderart Ausfuehrung Preiskontrolle Risiko
Market Order Sofort garantiert Keine Slippage bei Volatilitaet
Limit Order Nicht garantiert Vollstaendig Keine Ausfuehrung
Stop Order Bei Trigger Keine (wird Market) Gap-Risiko
Stop-Limit Bei Trigger + Limit Ja, nach Trigger Durchrutschen bei Gaps

Market Order im Detail

Eine Market Order wird sofort zum besten verfuegbaren Preis ausgefuehrt. Sie garantiert die Ausfuehrung, aber nicht den Preis. Bei illiquiden Werten oder hoher Volatilitaet kann der tatsaechliche Ausfuehrungspreis erheblich vom erwarteten Preis abweichen.

Wann Market Order nutzen

  • ✓ Hochliquide Werte (DAX-Aktien)
  • ✓ Kleine Positionsgroessen
  • ✓ Enge Spreads (<0,1%)
  • ✓ Zeitkritische Entscheidungen
  • ✓ Normale Marktbedingungen

Wann Market Order vermeiden

  • ✗ Illiquide Small Caps
  • ✗ Grosse Ordervolumen
  • ✗ Volatile Marktphasen
  • ✗ Vorboerslich/Nachboerslich
  • ✗ Bei News-Events

Limit Order im Detail

Eine Limit Order wird nur ausgefuehrt, wenn der Marktpreis das gesetzte Limit erreicht oder besser ist. Beim Kauf bedeutet das: maximal zum Limitpreis. Beim Verkauf: mindestens zum Limitpreis.

Beispiel: Limit Order beim Kauf

Situation: SAP-Aktie aktuell bei 182 EUR

Limit Order: Kaufe 50 Stueck, maximal 180 EUR

Szenario 1: Kurs faellt auf 180 EUR → Ausfuehrung zu 180 EUR oder besser

Szenario 2: Kurs steigt auf 185 EUR → Keine Ausfuehrung

Szenario 3: Kurs faellt auf 175 EUR → Ausfuehrung zu 175-180 EUR

Stop-Loss und Stop-Buy Orders

Stop-Typ Trigger Zweck
Stop-Loss (Verkauf) Kurs faellt unter Stop Verlustbegrenzung
Stop-Buy (Kauf) Kurs steigt ueber Stop Breakout-Trading
Trailing Stop Folgt dem Kurs nach oben Gewinnsicherung

Erweiterte Orderarten

Orderart Beschreibung Typische Anwendung
OCO (One-Cancels-Other) Zwei verknuepfte Orders, eine storniert die andere Take-Profit + Stop-Loss
Bracket Order Entry + Take-Profit + Stop-Loss kombiniert Automatisiertes Trading
Fill or Kill (FOK) Sofort komplett oder gar nicht Grosse Bloecke
Immediate or Cancel (IOC) Sofort, Teilausfuehrung OK Schneller Teilkauf
All or None (AON) Nur vollstaendige Ausfuehrung Vermeidung Teilausf.
Iceberg/Hidden Nur Teil der Order sichtbar Institutionelle Anleger

Gueltigkeitsdauer von Orders

Abkuerzung Bedeutung Gueltigkeit
DAY Day Order Nur heute
GTC Good Till Canceled Bis Ausfuehrung/Storno (max. 90 Tage)
GTD Good Till Date Bis angegebenes Datum
OPG Opening Only Nur zur Eroeffnung

Trailing Stop: Die dynamische Absicherung

Trailing Stop Beispiel mit 10% Abstand

Start: Kauf bei 100 EUR → Stop bei 90 EUR

Kurs steigt auf 110 EUR → Stop steigt auf 99 EUR

Kurs steigt auf 130 EUR → Stop steigt auf 117 EUR

Kurs steigt auf 150 EUR → Stop steigt auf 135 EUR

Kurs faellt auf 135 EUR → VERKAUF wird ausgeloest

Ergebnis: +35% Gewinn gesichert (statt moeglicherweise Verlust)

Typische Anfaengerfehler

Vermeiden Sie diese Fehler

  • 1. Market Orders bei illiquiden Werten: Kann zu erheblicher Slippage fuehren
  • 2. Stop-Loss zu eng: Normale Volatilitaet loest vorzeitig aus
  • 3. Limit zu weit vom Markt: Order wird nie ausgefuehrt
  • 4. Keine GTC-Verlaengerung: Day Orders verfallen unbemerkt
  • 5. Stop-Orders ueber Nacht: Gaps koennen Stop weit ueberspringen

Orderarten nach Broker-Verfuegbarkeit

Orderart Standard-Broker Trading-Broker Neobroker
Market/Limit/Stop
Trailing Stop Teilweise
OCO Teilweise
Bracket Order

Praxistipp

Starte als Anfaenger mit einfachen Limit Orders. Sie bieten Preiskontrolle ohne Komplexitaet. Erst wenn du Erfahrung gesammelt hast, experimentiere mit erweiterten Orderarten - und teste diese zuerst mit kleinen Betraegen.

Autor
Alexander Müller

Dividendeninvestor und Gründer von Dividendenkalender. Entwickler des DiviScore-Bewertungssystems für Dividendenaktien.

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