Wissensdatenbank 07.02.2024 Aktualisiert: 12.03.2026 193 Aufrufe Alexander Müller

Währungsrisiko: Einfluss auf internationale Investments

Einführung in das Währungsrisiko: Was ist es und warum ist es wichtig? Währungsrisiko, auch bekannt als Wechselkursrisiko, bezieht sich auf die Unsicherheit, die durch die Schwankungen der Wechselkurse zwischen zwei Währungen entsteht. Es ist ein wesentlicher Aspekt des internationalen...

Das Währungsrisiko gehört zu den unterschätzten Risiken bei internationalen Investments. Schwankungen im Wechselkurs können Gewinne massiv erhöhen – oder zunichtemachen. Für deutsche Anleger mit US-Aktien oder Emerging-Markets-Investments ist das Verständnis von Währungsrisiken essenziell.

Definition: Was ist Währungsrisiko?

Währungsrisiko (englisch: Currency Risk oder Exchange Rate Risk) bezeichnet das Risiko, dass Wechselkursschwankungen den Wert einer Anlage in der Heimatwährung des Anlegers beeinflussen. Für einen deutschen Anleger mit einem US-Aktien-ETF bedeutet eine Abwertung des US-Dollars gegenüber dem Euro einen Wertverlust – selbst wenn der ETF in Dollar unverändert blieb.

Wie das Währungsrisiko wirkt

Die Gesamtrendite einer Auslandsinvestition setzt sich aus zwei Komponenten zusammen:

Gesamtrendite (EUR) ≈ Lokale Rendite + Währungsrendite

(Bei kleinen Schwankungen gilt: R_total ≈ R_asset + R_fx)

Beispielrechnung:

Ein deutscher Anleger investiert 10.000 € in einen US-ETF:

  • • Startkurs: EUR/USD = 1,10 → Anlage = $11.000
  • • ETF steigt um +10% → $12.100
  • • Aber: Dollar fällt auf EUR/USD = 1,20
  • • Rückrechnung: $12.100 ÷ 1,20 = 10.083 €

Ergebnis: +0,83% statt +10%!

Die Dollarabwertung (-8,3%) hat fast den gesamten Aktiengewinn aufgezehrt.

Historische Währungsschwankungen

Wechselkurse können über längere Zeiträume erheblich schwanken:

Zeitraum EUR/USD Start EUR/USD Ende Veränderung Auswirkung für EUR-Anleger
2014-2015 1,37 1,09 USD +26% +26% Währungsgewinn
2017 1,05 1,20 USD -12,5% -12,5% Währungsverlust
2020-2022 1,12 0,96 USD +17% +17% Währungsgewinn
2023 1,07 1,10 USD -3% -3% Währungsverlust

Arten des Währungsrisikos

Transaktionsrisiko

Risiko bei bereits eingegangenen Verbindlichkeiten in Fremdwährung.

Beispiel: Bestellte Waren aus USA, Zahlung in 3 Monaten

Translationsrisiko

Bilanzielle Umrechnung von Auslandstöchtern.

Beispiel: US-Tochter von Siemens im Konzernabschluss

Ökonomisches Risiko

Langfristige Wettbewerbsposition bei Währungsverschiebungen.

Beispiel: Deutsche Exporte werden bei starkem Euro teurer

Strategien zur Absicherung (Währungs-Hedging)

1. Hedged ETFs

ETFs mit Währungsabsicherung (z.B. "EUR Hedged") nutzen Devisentermingeschäfte, um das Währungsrisiko zu eliminieren:

Produkt Währungsrisiko Zusatzkosten Geeignet für
MSCI World (unhedged) Ja (~65% USD) Keine Langfristige Anleger
MSCI World EUR Hedged Nein (abgesichert) ~0,3-0,5% p.a. Kurzfristige Anleger, Risikoaverse
S&P 500 (unhedged) Ja (100% USD) Keine USD-positive Erwartung

2. Natürliches Hedging

Unternehmen mit globalen Umsätzen haben ein eingebautes Währungs-Hedging:

Beispiel Siemens:

  • • 25% Umsatz in USD (USA)
  • • 20% Umsatz in CNY (China)
  • • 15% Umsatz in EUR (Deutschland)
  • • Produktionskosten ebenfalls international verteilt

→ Währungsschwankungen gleichen sich teilweise aus (natürliches Hedge)

3. Diversifikation über Währungen

Ein global diversifiziertes Portfolio reduziert die Abhängigkeit von einer einzelnen Währung:

Portfolio USD-Anteil EUR-Anteil Währungsrisiko
100% DAX 0% 100% Keins (EUR-Anleger)
100% S&P 500 100% 0% Hoch (volle USD-Exposition)
MSCI World 65% 10% Mittel (diversifiziert)
MSCI ACWI 55% 8% Mittel (inkl. EM)

Soll ich hedgen? Entscheidungshilfe

Hedging sinnvoll wenn:

  • ✓ Kurzfristiger Anlagehorizont (< 3 Jahre)
  • ✓ Hohe Konzentration in einer Währung (>80%)
  • ✓ Feste EUR-Ausgaben geplant (Hauskauf etc.)
  • ✓ Geringe Risikotoleranz
  • ✓ Positiver Zinsdifferential EUR > USD

Hedging weniger sinnvoll wenn:

  • ✓ Langfristiger Anlagehorizont (> 10 Jahre)
  • ✓ Bereits breit diversifiziert (MSCI World)
  • ✓ Hedging-Kosten hoch (EM-Währungen)
  • ✓ Natürliches Hedge durch globale Unternehmen
  • ✓ Währung erwünscht als Diversifikation

Währungsrisiko bei Dividenden

Für Dividendenanleger hat das Währungsrisiko doppelte Bedeutung:

Beispiel: US-Dividendenaktie

Johnson & Johnson zahlt $1,24 Dividende pro Quartal:

  • • Bei EUR/USD = 1,05: 1,24 ÷ 1,05 = 1,18 € Dividende
  • • Bei EUR/USD = 1,15: 1,24 ÷ 1,15 = 1,08 € Dividende

→ 9% weniger EUR-Dividende nur durch Währungseffekt!

Fazit für Anleger

Das Währungsrisiko ist ein wichtiger, oft unterschätzter Faktor bei internationalen Investments. Für langfristige, breit diversifizierte Portfolios (MSCI World) ist ein Hedging meist nicht nötig – kurzfristige Schwankungen gleichen sich langfristig tendenziell aus. Bei konzentrierten Positionen in einer Fremdwährung oder kurzem Anlagehorizont kann ein Hedging sinnvoll sein. Die Kosten des Hedgings sollten immer gegen den Nutzen abgewogen werden.

Autor
Alexander Müller

Dividendeninvestor und Gründer von Dividendenkalender. Entwickler des DiviScore-Bewertungssystems für Dividendenaktien.

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